Ich denke das nicht fertig

Es ist unangenehm über Dinge nachzudenken, die unangenehm sind. Spontan fällt mir da der eigene Tod ein – die eigene Beerdigung insbesondere. Glauben Sie ja nicht, dass es mir leicht fällt, mich damit zu beschäftigen. Im Großen, im Ganzen und im Allgemeinen interessiere ich mich natürlich dafür, ich lese viel dazu, aber ich setze mich um Himmelswillen nicht mit meinem Tod oder meiner Beerdigung auseinander und wie ich mir den Ablauf bei letzterer vorstelle. Wie und wo möchte ich begraben werden? Im kleinen oder größeren Kreis? Welche Musik soll angespielt werden? Ich ertappe mich zuweilen dabei und spiele das ein wenig durch. Aber meist nur kurz – und vor allem: unvollständig – ich denke das nicht fertig. Ich habe tatsächlich keine konkreten Vorstellungen. Ist es unsere Aufgabe zu Lebzeiten, solche Dinge zu vorzubereiten? Oder kann oder sollte es uns schlicht egal sein? Die eigene Beerdigung durch orchestrieren: ich weiß nicht so recht. Da braucht es Nerven wie Drahtseile, um mit einem Bestatter sein Ende zu besprechen und dann gleich noch den Text für die eigene Sterbeanzeige zu formulieren. Ist sicher nicht jedermanns Sache. Der eine oder andere zarte Hinweis zu Lebzeiten könnte den Hinterbliebenen aber das Leben (oder im wahren Sinne des Wortes den Abschied) erleichtern. Eine gute Freundin erwähnte letztens in einem Nebensatz eine Art Totenbuch. Was es genau damit auf sich hat, habe ich bei der Gelegenheit nicht erfahren. Die Grundidee gefällt mir: ein Notizbuch hinterlassen, in dem allerhand Wissenswertes steht. Wo und wie man begraben werden möchte, welche Musik gespielt werden soll, wen man unbedingt dabei haben will, wen man ganz unbedingt nicht dabei haben will – und vielleicht auch die eine oder andere pikante Anekdote. Kann einem ja dann alles ziemlich egal sein. Für mich im übrigen keinen granitfarbenen-rote-Rosen-Kitsch als Grabdekoration – bitte notieren. Und ja: demnächst werde ich es angehen und versuchen das Thema fertig zu denken… Erst wenn wir unsere Lieben vergessen, hören sie auf zu existieren… Diana

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